Master Thesis FS26

Im Frühlingssemester 2026 schlossen zehn Studierende ihren Master in Architektur mit der Thesis ab. An der HSLU gibt es sowohl Freie Masterthesisarbeiten wie auch ein gemeinsames Thema, dem sich die Diplomanden widmen können. Fünf Arbeiten werden hier kurz präsentiert.

Felix Grunewald – Freie Thesis – Göschenen

Göschenen ist massiven externen Kräften durch Infrastrukturprojekte und dem touristischen Druck aus Andermatt ausgesetzt, der durch den Ausbau des Dorfs zur Verkehrsdrehscheibe 2040 verschärft wird.

Die Masterthesis von Felix Grunewald fordert auf den drei Massstabsebenen Dorf, Ensemble und Haus diese Dynamiken aktiv als Werkzeug zu nutzen, um das dörfliche Gefüge nachhaltig zu stärken. Die Architektur übernimmt dabei die Rolle des räumlichen Vermittlers. Durch die Sanierung des historischen «Hotels zum weissen Rössli» und dem Ergänzen neuer Volumen mit gemeinschaftlich genutzten Erdgeschossen wird eine neue Dorfmitte geschaffen. Zudem entwickelt die Arbeit eine klimagerechte Wohntypologie, die durch flexible Grundrisse die direkte Integration von Saisonniers in das bestehende Dorfleben ermöglicht.

Der Entwurf zeigt auf, wie Architektur lokale Wertschöpfung generieren und Göschenen als resilienten Lebensraum etablieren kann.

Hier kann das Prozessbuch von Felix Grunewald heruntergeladen werden.

Uliana Kravchenko – Freie Thesis – Banya in Luzern

Luzern war seit jeher eine vom Wasser geprägte Stadt. Über Jahrhunderte hinweg badeten ihre Bewohnerinnen und Bewohner im See, trafen sich an den Uferbauten und entwickelten eine öffentliche Badekultur, die das Wesen der Stadt entscheidend mitprägte. Im Laufe der Zeit verschwanden viele dieser Orte. Dieses Projekt schlägt ihre Rückkehr vor – in Form einer öffentlichen Banya im Ufschötti-Park, direkt am Ufer des Vierwaldstättersees. Als Ort des Rituals, der Erholung und des gemeinschaftlichen Erlebens interpretiert sie die historische Badekultur Luzerns neu.

Die zentrale Idee des Projekts ist die Analogie zwischen Architektur und Film. Der Besuch der Banya entfaltet sich wie ein Film: als sorgfältig choreografierte Abfolge unterschiedlicher Szenen, die jeweils durch eine eigene Atmosphäre, sinnliche Qualitäten und emotionale Wirkung geprägt sind. So wie eine Regisseurin oder ein Regisseur Licht, Klang, Bewegung und Zeit einsetzt, um die Wahrnehmung des Publikums zu lenken, gestaltet die Architektur den Raum als erzählerische Sequenz. Das Gebäude wird zu einem räumlichen Drehbuch, in dem die Besuchenden zugleich Publikum und Protagonisten sind und innerhalb eines dreistündigen Badezyklus acht aufeinanderfolgende Szenen durchlaufen.

Hier kann das Prozessbuch von Uliana Kravchenko heruntergeladen werden.

Hugo Dumont – Freie Thesis – Ellipsis

Das Projekt verknüpft die Restflächen entlang des Zürcher Gleisfelds zu einem zusammenhängenden Landschaftsraum. Dieser erstreckt sich von der Brauerstrasse bis zur Hardbrücke, wo die neue Sekundarschule Wiedikon entsteht. Er bindet die bis 2034 geplante Fussgängerbrücke ein, welche die Stadtkreise 4 und 5 über die Bahninfrastruktur hinweg verbindet, und integriert bestehende Infrastrukturen wie die Kantine im SBB Service Center sowie das teilweise ungenutzte Elektrizitätsunterwerk der SBB innerhalb des Gleisfelds. Der Bahnkorridor wird dabei nicht als unbenutzbarer Raum verstanden, sondern als kontinuierliches terrain vague, in dem Sportfelder, Retentionsflächen und spontane Vegetation eine zusammenhängende, aneigenbare Landschaft bilden.

An der Kante des Gleisfelds an der Brauerstrasse und als Abschluss dieses neuen städtischen Freiraums schlägt das Projekt einen über hundert Meter langen, aufgeständerten Baukörper entlang der Gleiskurve vor, der im Erdgeschoss die neu geplante Tramlinie integriert. Sechs Meter über dem Terrain bildet ein öffentliches Geschoss mit Erschliessung, Läden und Gemeinschaftsräumen die Schnittstelle zwischen Landschaft, Infrastruktur und Wohnen. Darüber organisiert ein Raster von 6 × 6 Metern die modularen Wohngeschosse entlang der Gleise. Das Gebäude versteht sich dabei weniger als Fortsetzung der angrenzenden Wohnarchitektur, sondern tritt vielmehr in Beziehung zur Massstäblichkeit und räumlichen Logik der umgebenden Gleisinfrastruktur.

Hier kann das Thesisbuch von Hugo Dumont heruntergeladen werden.

Videoaufzeichnung der Masterthesis-Schlusskritik von Hugo Dumont

Julia Häfeli – Semesterthesis – Frauenkloster Stans

Die Masterthesis von Julia Häfeli untersucht theoretische und räumliche Ansätze des Zusammenlebens am Beispiel der Transformation des Klosters St. Klara in Stans.

Ausgangspunkt bildet das Kloster als historisch gewachsene Lebensgemeinschaft, deren räumliche und soziale Organisation als Grundlage für die Entwicklung zeitgenössischer Wohntypologien dient. Das Projekt entwickelt eine Wohnformen, die Gemeinschaft als grundlegendes Prinzip verstehen. Im Zentrum stehen vielfältige Grundrisse, die sich bedarfsgerecht an unterschiedliche Lebenssituationen und Lebensphasen anpassen lassen sowie sensibel mit dem gewachsenen Bestand umgehen. So zeugt die Arbeit von einem tiefen Verständnis für die historische Substanz und liefert eine kreative Reinterpretation des räumlich Vorgefundenen. Ihr Ziel ist es, eine Perspektive auf Wohnen aufzuzeigen, in der soziale Nähe, Fürsorge und Durchmischung als zentrale Qualitäten eines zukunftsfähigen Lebensmodells verstanden werden.

Hier kann das Prozessbuch von Julia Häfeli heruntergeladen werden.

Julia Häfeli gewann mit ihrer Masterthesis den Preis der Freunde der Architektur, für eine vorbildliche und zukunftsweisende kollektive Arbeitskultur im Studiengang Master of Architecture.

Laura Roncelli – Freie Thesis – Valle di Blenio

Die Masterthesis «Alpine Common Ground» von Laura Roncelli untersucht, wie Architektur das Gemeinschaftsleben in Alpendörfern durch die Schaffung einer menschenzentrierten öffentlichen Infrastruktur stärken kann. Die Arbeit konzentriert sich auf Olivone, ein Dorf im Blenio-Tal im Kanton Tessin.

Die Arbeit vertritt die These, dass öffentlicher Raum nicht nur als Freifläche zwischen Gebäuden verstanden werden sollte, sondern als soziale Infrastruktur, die Begegnungen, Wissensaustausch und kollektive Identität fördern kann. Der architektonische Entwurf entwickelt sich als Abfolge miteinander verbundener öffentlicher Räume und gemeinschaftlich genutzter Einrichtungen. Durch die Umgestaltung bestehender Parkflächen, die Umnutzung leerstehender Gebäude sowie die Schaffung von temporären Unterkünften, Werkstätten, Labors, einer Gemeinschaftskantine und anpassungsfähigen Versammlungsräumen schafft das Projekt Möglichkeiten für gleichzeitige Nutzung und gemeinsame Nutzung. Die Thesis schlägt letztlich ein Modell der alpinen Erneuerung vor, das auf Nähe, Zusammenarbeit und gemeinsamer Raumnutzung basiert.

Hier kann das Prozessbuch von Laura Roncelli heruntergeladen werden.

Videoaufzeichnung der Masterthesis-Schlusskritik von Laura Roncelli

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