Raum & Gesellschaft

    Im Interdisziplinären Themencluster (ITC) «Raum & Gesellschaft» wird untersucht, wie den räumlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Raumentwicklung begegnet werden kann. 

    Der gegenwärtige gesellschaftliche Wandel hat gravierende Auswirkungen auf unser Zusammenleben. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen wie Nutzungskonflikte um Raum, ein verstärkter Standortwettbewerb, dauerhafte Benachteiligung bestimmter Regionen, Versorgungsdefizite oder die Gefährdung sozialer Kohäsion. Um diesen begegnen zu können, braucht es technische, architektonische und wirtschaftliche Ansätze, aber auch sozialwissenschaftliche, kulturelle und digitale Lösungen. Diese lassen sich nur mit interdisziplinären Ansätzen finden. Der ITC «Raum & Gesellschaft» verfolgt das Ziel einer integralen Raumentwicklung; er will Lösungen entwickeln, um die Lebensqualität zu verbessern und das Zusammenleben der Menschen zu stärken. Ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Umwelt ist hierbei zentral.

    Im Fokus steht eine umfassende sozialräumliche Betrachtung, welche sowohl die gesellschaftlichen und gebauten Strukturen, als auch die Menschen und ihre alltäglichen Handlungen als raumkonstituierend versteht. Dabei bildet die messbare, materielle Dimension von Raum die physische Seite räumlicher Praktiken. Die symbolische Dimension von Raum umfasst historische, ökonomische, kulturelle Zuschreibungen und Bedeutungen. Die dritte Raumdimension ist der erlebte und gelebte Raum, wie er von Menschen alltäglich wahrgenommen und realisiert wird. Mithilfe dieses Raumverständnisses ist es möglich, Theorien und Methoden verschiedener Disziplinen aufeinander zu beziehen, zu reflektieren und in Austausch zu bringen. Dies eröffnet ein erhebliches Innovationspotenzial für die gegenwärtigen Herausforderungen in der Raumentwicklung. 

    Die Hochschule Luzern verfügt durch den systematischen Auf- und Ausbau disziplinenübergreifender Zusammenarbeit im Bereich der integralen Raumentwicklung seit langem über interdisziplinäre Teams in Forschung, Entwicklung und Lehre. Die Expertinnen und Experten arbeiten eng mit der Praxis zusammen und sind national wie international gut vernetzt. In Zukunft soll diese Kultur der Zusammenarbeit erweitert und neue Arbeitsbereiche sowie Themenfelder erschlossen werden. Der Themencluster generiert in der Forschung neue Methoden und erarbeitet gemeinsam mit den Praxispartnerinnen und -partnern innovative Lösungen, um die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels zu meistern. Das Lehrangebot in der Aus- und Weiterbildung wird zudem hinsichtlich Interdisziplinarität und Internationalisierung weiterentwickelt.

    Hauptprojekte

    Sozial nachhaltiges Wohnhochhaus

    Das Wissen um die sozialen Aspekte von Wohnhochhäusern ist gering.  Das Innosuisse Projekt soll diese Lücke schliessen und hat das Ziel, Empfehlungen zur sozialen Nachhaltigkeit künftiger Wohnhochhäuser zu erarbeiten.

    Vorprojekte

    Integrierte Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten

    Das Projekt geht der Frage nach, wie in ausgewählten ländlichen Regionen der Schweiz die Synergien zwischen der Vielzahl an dezentralen Angeboten im Bereich der Gesundheitsversorgung und des Gesundheitstourismus besser genutzt werden können.

    Klöster und ihr Potential für die Bildung in Zeiten digitaler Transformation

    Klöster sind aktuell mit der Herausforderung konfrontiert, wie ihre Gebäude künftig nachhaltig genutzt werden können. Zugleich bergen ihre spirituellen Traditionen vielfältiges Potential, um gesellschaftlich relevanten Themen zu begegnen.

    WOFL 2.0 Präferenzabhängige Wohnflächenplanung

    Das Projekt beabsichtigt die Entwicklung eines Planungs- und Beurteilungstool unter Berücksichtigung der Wohnqualität in Abhängigkeit zum Wohnflächenverbrauch sowie den Wohnpräferenzen der potentiellen Bewohnerinnen und Bewohner.

    Im Rahmen des Themenclusters werden vier Schwerpunkte bearbeitet. In allen Schwerpunkten stehen integrale Raumentwicklungsprozesse im Zentrum.

    Die Schwerpunkte

    • Gestaltung lebenswerter Umwelten
    • Sozialräumliche Integration von Infrastruktur und technischen Innovationen
    • Nachhaltige Destinations- und Standortentwicklung
    • Kooperative Strategien der Gebäudesanierung und Energieplanung

    Gestaltung lebenswerter Umwelten

    Der gesellschaftliche Wandel wirkt sich stark darauf aus, wie eine nachhaltige Entwicklung der bestehenden Lebensräume im Hinblick auf Wirtschaft, Ökologie und Soziales gestaltet werden kann. Von hoher Brisanz sind Themen wie Verdichtung, Zersiedelung, öffentlicher Raum, Segregation oder Gentrifizierung. Es geht unter anderem darum, integrative Nachbarschaften zu gestalten und dabei trotz zunehmender Gegensätze den Zusammenhalt zu stärken oder die Siedlungs- und Freiraumnutzung (Wohnen, Verkehr, Gewerbe, Freizeit) so zu lenken, dass gleichzeitig der Landschaftsschutz gewahrt wird. Hierfür müssen interdisziplinär ausgerichtete Planungskulturen weiterentwickelt werden. 

    Damit verbundene Handlungsfelder:
    • Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern
    • Planungskulturen neu denken
    • Räumliche Verdichtung gestalten

    Sozialräumliche Integration von Infrastruktur und technischen Innovationen

    Das Bevölkerungswachstum, die demographische Entwicklung der Gesellschaft sowie die Abwanderung in gewissen Gebieten erfordern ein Neudenken der Versorgungssysteme, der sozialen Infrastrukturen und auch der Mobilität. Es wird immer wichtiger – vor allem für die ländlichen Räume – versorgungsgerechte und effiziente Modelle für das Wohnen im Alter, für die Pflege oder für die Bildung anzubieten. Es ist Aufgabe der Gemeinwesenarbeit und der Politik, die Bevölkerung einzubeziehen, Zuziehende zu integrieren und dies als Chance zu begreifen, auf den demografischen Wandel und seine Auswirkungen Einfluss zu nehmen. Technisch innovative Lösungen unter Verwendung digitaler Technologien und neue räumliche wie strukturelle Organisationsformen können helfen, Vorsorge, Versorgung, Unterhalt und Bildung aller Bevölkerungsschichten zu gewährleisten.

    Damit verbundene Handlungsfelder:
    • Demografischen Wandel und Versorgungssysteme reflektieren
    • Mobilität von Menschen und Gütern neu verhandeln

    Nachhaltige Destinations- und Standortentwicklung

    Standortwettbewerb, Netzwerkökonomien und zunehmende regionale Disparitäten machen neuartige, kontext- und regionsspezifische Entwicklungsstrategien notwendig. Räumliche Charakteristika und Infrastrukturen beeinflussen die Handlungsfähigkeit der Akteure in Regionen ohne klare Wachstumsperspektiven. Die Förderung von Wettbewerbsfähigkeit muss hier neu und anders aufgefasst werden.

    Damit verbundene Handlungsfelder:
    • Wachstum und Schrumpfung aktiv gestalten
    • Regionale Innovationskraft verstehen und verbreiten

    Kooperative Strategien der Gebäudesanierung und Energieplanung

    Es zeigt sich, dass sich der Energieverbrauch durch neue Technologien im Gebäudebereich langsamer reduzieren lässt als angenommen. Weniger als ein Prozent der bestehenden Gebäude werden jährlich saniert. Die Technologien verbreiten sich langsamer als angenommen (diffusion gap) und oft wird die errechnete Energieeinsparung nicht erreicht (performance gap). Dies liegt unter anderem daran, dass das Verhalten der Nutzenden und vieler Eigentümer/-innen kaum kalkulierbar ist, doch diese entscheiden letztlich über Eingriffe und Nutzung der Gebäude. Eine sozialräumlich basierte Raumentwicklung bezieht die künftigen Nutzenden und die Eigentümerschaft frühzeitig in die Energie- und Gebäudeplanung mit ein. Eine gemeinsame Planung mit der Eigentümerschaft bildet den Kern einer integrierten kommunalen Energieplanung und umsetzungsfähiger Sanierungskonzepte.

    Damit verbundene Handlungsfelder:
    • Kooperative Energieplanung umsetzen
    • Erneuerung von Gebäuden und Quartieren partizipativ planen

    Leitung

    Dr. Ulrike Sturm
    Co-Leiterin ITC «Raum & Gesellschaft»
    +41 41 367 48 44
    ulrike.sturm@hslu.ch
    Stefan Kunz
    Co-Leiter ITC «Raum & Gesellschaft»
    +41 41 349 38 08
    stefan.kunz@hslu.ch