Über das Projekt

Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt „Cool Down“ erprobte verschiedene Kühlkonzepte, um die sommerliche Hitze für pflegebedürftige und betagte Bewohner:innen erträglicher zu machen. Untersucht wurden innovative Lösungen, die im Raum, in der Nähe oder direkt am menschlichen Körper wirken und ohne zusätzliche Raumkühlgeräte auskommen. Dabei wurden Sinnesreize im Bereich der visuellen, akustischen, taktilen und olfaktorischen Wahrnehmung ausgewählt und den Bewohner:innen für ihre Zimmer angeboten. Zu diesem Zweck wurden Erkenntnisse und Studien aus der Experimentellen Psychologie herangezogen, die sich auf die multisensorische Wahrnehmung beziehen. Im Projekt „Cool Down“ wurden diese Erkenntnisse in einem anwendungsorientierten Forschungsdesign in Form eines Living Labs in einem Pflegeheim der Viva Luzern in die Praxis umgesetzt. In diesem Living Lab arbeiteten Forscher:innen, Unternehmen, Pflegekräfte und Bewohner:innen zusammen und betrieben transdisziplinäre Forschung zur Verbesserung des Wohlbefindens während sommerlicher Hitzeperioden. Das Ziel war, mittels partizipativer und kooperativer Methoden Transformationsprozesse anzustossen und wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Lernprozesse zu festigen. Das Gesamtergebnis ist in der Toolbox zusammengestellt und in Form dieser Webseite für die Öffentlichkeit zugänglich.

Projektdauer
2022–2026

Vorgehen und Methode

Acht Bewohner:innen (78-95 Jahre) eines Pflegeheims der Viva Luzern haben mit Unterstützung von Pflegepersonen am Forschungsprojekt teilgenommen. Rekrutiert wurden sie von uns mit einem Einladungsschreiben für einen Startworkshop. Am Startworkshop wurde das Projekt und die räumlichen Reize vorgestellt sowie weitere Bedürfnisse und Wünsche geklärt. Die Auswahl der entsprechenden Reize (Farbe, Gerüche, Textilien, Pflanzen und Klänge) wurde vorab auf Basis von bestehenden Studien aus dem Bereich der Experimentellen Psychologie getroffen. Die Teilnehmer:innen hatten anschliessend Zeit, die Reize, die in Form von Proben und Mustern im Pflegeheim ausgelegt waren, auszuprobieren und sich für maximal 3 Reize zu entscheiden, bevor sie in ihrem Zimmer implementiert wurden. Das heisst, Wände wurden, wo gewünscht, gestrichen, Bettwäsche besorgt, Vorhänge genäht und Diffusoren für den Geruch besorgt.

Ziel des Projektes war es, mittels Interviews und Regressionsanalyse sowohl qualitative als auch quantitative Daten zu erheben, um den Einfluss einzelner Reize sowie deren Kombinationen auf das subjektive thermische Wohlbefinden Hochbetagter zu ermitteln. Für die Datenerhebung wurden folgende Methoden verwendet:

  • Kurz-Interviews mit den Teilnehmer:innen (3 Runden)
  • Biografische Interviews mit den Teilnehmer:innen
  • Quantitative Befragungen zu Wohlbefinden und Gesundheit; kombiniert mit Temperatur-/Luftfeuchtigkeitsmessungen
  • Beobachtungsnotizen von Forscher:innen und Pflegepersonal
  • Fotodokumentation

Datenanalyse

  • Quantitative Befragungen: Das extra entwickelte digitale Tool erwies sich im Kontext eines Pflegeheims als wenig praxistauglich. Trotz Schulung der Pflegekräfte führte die angestrebte tägliche Befragung (2023) zu einem strukturellen Overload während der Erhebungsphase (Personalmangel, Personalwechsel, Urlaubszeit). Auch die Reduktion auf drei Erhebungen pro Woche (2024) verbesserte die Rücklaufquote nicht. Zudem empfanden die Bewohner:innen die repetitiven Fragen als wenig sinnvoll und störend.
  • Qualitative Daten: Während biografische Interviews wenig Erkenntnisgewinn brachten, lieferten Kurzinterviews mit den kognitiv fitten Bewohner:innen in ihren Zimmern wertvolle „Schlaglichter“. Die Möglichkeit, die Reize selbst auszuwählen trug zum einen dazu bei, dass das Projekt eine breite Akzeptanz bei den Teilnehmer:innen hatte und zum anderen zum subjektiven thermischen Wohlbefinden während Hitzephasen beitrug.
  • Triangulation: Um Datenlücken zu schließen, wurden eine erweiterte Literaturanalyse, Beobachtungen des Forschungsteams sowie einzelne Rückmeldungen der Pflegenden herangezogen. Diese stützen die Wirksamkeit eines multisensorischen Ansatzes in Kombination mit der Kontrolltheorie (Auswahl) aus der Umweltpsychologie.

Fazit und Ausblick

Die Studie verdeutlicht die Komplexität von Forschung im Pflegekontext:

  • Heterogenität & Fluktuation: Körperliche und kognitive Unterschiede sowie eine hohe Fluktuation (Abnahme von 8 auf 2 Teilnehmende bis 2025) erschweren valide Aussagen.
  • Methodische Passung: Standardinstrumente stossen oft an Grenzen; digitale Tools sollten barrierefrei und im Co-Design mit der jeweiligen Zielgruppe entwickelt werden.
  • Ressourcen: Der Pflegealltag lässt kaum Spielraum für zusätzliche Aufgaben. Forschung muss hochgradig sensibel und aufwandsarm integriert werden.

Die Ergebnisse sind trotz der methodischen Hürden interessant und sollten in anwendungsorientierten Projekten weiterentwickelt werden. Zukünftige Projekte sollten die Lebenswelt der Bewohner:innen und die Arbeitsbelastung der Pflegenden stärker priorisieren. Für die Forschung in Pflegeheimen sind eine vorausschauende Planung mit grösseren Stichprobenpuffern und frühzeitiger Einbindung aller Akteure wesentlich, um die Akzeptanz und Datenqualität zu sichern.

Beteiligte Personen, Finanzierungs- und Umsetzungspartner

Projektleiterin
Dr. Ute Ziegler, ute.ziegler@hslu.ch
Kompetenzzentrum Innenarchitektur
Hochschule Luzern – Technik & Architektur

Wissenschaftliche Mitarbeit
Hochschule Luzern – Technik & Architektur:
_Prof. Sibylla Amstutz, Eveline Moser, Katharina Kleczka, Prof. Markus Koschenz
Hochschule Luzern – Design Film Kunst: 
_Prof. Isabel Rosa Müggler Zumstein, Magdalena Tomoff 
Hochschule Luzern – Wirtschaft: 
_Prof. Christoph Hanisch, Prof. Dr. Magnin Chantal

Dank für die methodische Beratung geht an Prof. Dr. Sabina Misoch, Berner Fachhochschule, Soziale Arbeit.

Besonderer Dank geht an die Bewohnerinnen und Bewohner, Pflegenden und Leitungspersonen von Viva Luzern, die am Forschungsprojekt teilgenommen und es ermöglicht haben sowie an die Finanzierungs- und Umsetzungspartner:innen.  

Hinweis zu den dargestellten Inhalten:
Die auf dieser Webseite dargestellten Inhalte basieren auf einem Forschungsprojekt, das in Kooperation mit dem Pflegeheim Haus Brisen Viva Luzern in Luzern durchgeführt wurde. Alle dargestellten Interviewinhalte wurden stark anonymisiert, zusammengefasst und redaktionell bearbeitet, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Bewohnerinnen oder Bewohner möglich sind. Namen, biografische Angaben sowie andere identifizierende Merkmale wurden entfernt oder verändert. Die Nennung der kooperierenden Einrichtung dient der Transparenz des Forschungsprojekts. Die veröffentlichten Inhalte geben ausschliesslich übergeordnete Themen und Erkenntnisse wieder. Es werden keine personenbezogenen Daten von Bewohnerinnen oder Bewohnern veröffentlicht. Die Quellen für das Bildmaterial sind: Hochschule Luzern, CCIA (Fotos Kühlwirkung); Adobe Stock (lizenzfreie Bilder); Google Gemini (Titelfoto).