Bei den Teilnehmer:innen des Living Labs im Altersheim Dreilinden veränderten die multisensorischen Reize das subjektiv empfundene Temperaturgefühl, auch ohne objektive Temperaturveränderung.
Die Effekte wurden von den Bewohner:innen als «kühl und öffnend», als «frisch und kühlend» und als «kühlend und beruhigend» beschrieben. Die Düfte und die glatte Bettwäsche waren die Favoriten der Teilnehmer:innen.
Die Erfahrungen der teilnehmenden Bewohner:innen haben wir anhand von Interviews und Personas dargestellt: (1) In den Tonausschnitten von drei Interviews können sie die persönlichen Eindrücke der Teilnehmer:innen hören. (2) Die teilnehmenden Bewohner:innen repräsentieren zwei unterschiedliche Typen, die im Folgenden in Form von Personas beschrieben sind. Personas sind typische Vertreter:innen einer Zielgruppe, die auf realen Daten basieren, um die Bedürfnisse und Verhaltensweisen dieser Zielgruppe besser zu verstehen.
Die selbstbestimmte Mitgestalterin ist über 85 Jahre alt, lebt in einem Einzelzimmer im Pflegeheim und ist körperlich eingeschränkt bei gleichzeitig geistiger Wachheit. Sie nimmt als aktive Probandin am Forschungsprojekt Cool Down teil und legt grossen Wert auf Selbstbestimmung sowie auf die persönliche Gestaltung ihres Zimmers. Sie ist neugierig, offen für neue Erfahrungen und beteiligt sich engagiert an den Workshops. Sie hört zu, stellt Rückfragen und bringt eigene Beobachtungen ein. Sie wird als aktive Gesprächspartnerin wahrgenommen und verfügt über ein gutes Erinnerungsvermögen, insbesondere für Sinneseindrücke aus der Natur, durch Materialien und Gerüche. In einem sicheren Rahmen gestaltet sie mit und probiert neue Dinge aus.
Für ihr Zimmer wählt sie glatte hellblaue Bettwäsche, einen blauen Wandanstrich, den sie als wohltuend und weitend empfindet, sowie einen Duft, der über einen professionellen Diffusor verteilt wird. Insbesondere den Duft erlebt sie als angenehm kühlend und in Kombination mit der blauen Wand hat sie den Eindruck, dass ihr Zimmer grösser sei. In der Gesamtheit empfindet sie diese Reize subjektiv als erfrischend und kühlend. Ihre Bewertungen sind emotional und eher biografisch geprägt. Sie beschreibt die Reize mit eigenen Worten und teilt ihre persönlichen Empfindungen. Sie freut sich auch im hohen Alter aktiv Entscheidungen zu treffen und sich auf Experimente einzulassen. Sie will als teilnehmende Person wahrgenommen werden.
Der vorsichtige Bewahrer ist über 85 Jahre alt, lebt seit kurzem in einem Einzelzimmer im Pflegeheim und ist körperlich eingeschränkt. Er ist geistig wach, aber kognitiv schnell ermüdbar. Er hat eher eine skeptische und manchmal ungeduldige Grundhaltung und ein Bedürfnis nach Stabilität, Vorhersehbarkeit und klaren Abläufen. Er nimmt als aktiver Proband im Forschungsprojekt Cool Down teil, zunächst beobachtend, zurückhaltend und prüfend. Er versteht seine Teilnahme weniger als Mitgestaltung, sondern als Test unter kontrollierten Bedingungen und möchte, dass sein Zimmer ein verlässlicher Rückzugsort bleibt. Seine Beiträge sind eher sachlich und er orientieren sich an technischen und physikalischen Erklärungen. Besonders wichtig ist ihm ein Temperaturmessgerät inklusive Luftfeuchtigkeitsanzeige im Zimmer, mit dem er die gemessene und gefühlte Temperatur vergleichen kann.
Zunächst wählt er zwei Reize, die für ihn nachvollziehbar und funktional sind: einen Spezialvorhang, der die Sonneneinstrahlung reflektiert sowie eine Wandleuchte mit blauem Licht als visuellen Kältereiz. Dem Geruchsreiz begegnet er zunächst skeptisch, lässt sich jedoch später darauf ein. Seine Rückmeldungen sind klar, detailliert in den Beobachtungen und wenig emotional. Entscheidend für seine Akzeptanz ist die Möglichkeit, Kontrolle zu behalten, Veränderungen jederzeit zu beenden und die Wirkung der Massnahmen einordnen zu können.
Hildegard Baumann-Schmid*, 86-jährig, Viva Luzern


Jakob Hufeisen*, 87-jährig, Viva Luzern
Doris Graf-Weber*, 94-jährig, Viva Luzern

* Name und Foto geändert