Wandfarbe


Wirkung
Der Farb-Wärme-Hypothese (Hue-Heat-Effekt) beschreibt das psychologische Phänomen, dass Farben die menschliche Wahrnehmung der Umgebungstemperatur beeinflussen: Warme Farben (Rot, Orange, Gelb) lassen Räume wärmer erscheinen, während kalte Farben (Blau, Grün) eine kühlere Wirkung haben. Dies kann genutzt werden, um das thermische Empfinden zu beeinflussen, ohne die Raumtemperatur physisch zu ändern. In einem blauen Raum schätzen Menschen die Temperatur oft niedriger ein als in einem orangene – bei gleicher Temperatur.

 

Empfehlungen für den Einsatz einer Wandfarbe

Kühlkategorie  
experimentell

Es gibt zahlreiche Farbpaletten mit Farbtönen in Abstufungen, wie z. B. RAL- oder NCS-Farbfächer. Ein Basis-Blau oder Türkis kann je nach Bedarf durch die Beimischung von frischen Grün- oder Gelbtönen kälter oder durch Magenta und Rot wärmer angemischt werden.

Anforderungen für den Einsatz im Alters- und Pflegeheim 
Sowohl im Pflegeheim als auch zu Hause sollten Farben schadstoffarm, frei von Allergenen und diffusionsoffen sein. Da die Bewohner:innen viel Zeit im Zimmer mit Sitzen oder Liegen verbringen, ist die Platzierung der Farbe entscheidend: Sie sollte direkt im Blickfeld sein. Zudem müssen die Kontraste für Menschen mit Sehbehinderungen gewahrt bleiben. Die Farbwahl sollte nach Möglichkeit im Team und mit den Bewohner:innen einvernehmlich abgestimmt werden. Die emotionalen Reaktionen der gewählten Farben sollten von den Teilnehmer:innen als angenehm bewertet werden. Wählen Sie eher hellere, matte Farben.

Anforderungen für den Einsatz zu Hause 
Zu Hause haben Sie mehr Freiheiten und können ihre Farben individuell auswählen. Achten Sie auch hier auf die Qualität der Farben. Testen Sie die Farbe zuerst an einer kleinen Stelle oder hängen sie Farbmuster an die Wand, um zu sehen, wie diese auf sie selbst und bei unterschiedlichem Lichteinfall wirken.

Im Projekt „Cool Down“ wurden diffusionsoffene Wandfarben in unterschiedlichen Blautöne für Firma Caparol verwendet: CaparolColor Compact https://www.caparol.ch

Auswahl Wandfarben für ersten Workshop

Studien zur Kühlwirkung
Beim Betrachten von Farben findet im Gehirn ein komplexes Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung und emotionaler Bewertung statt, die sich auch auf das thermische Empfinden auswirken. Zahlreiche Studien aus der Experimentellen Psychologie und der Farbpsychologie belegen, dass die visuelle Umgebung unsere Thermoregulation beeinflusst. Ältere Untersuchungen zeigen, dass Proband:innen in blau gestrichenen Räumen eine bis zu 2-3 Grad niedrigere Temperatur angegeben haben als in Räumen mit warmen Wandfarben. Dieser Effekt beruht zum einen auf Assoziationen: Blau wird instinktiv mit Wasser, Eis und dem weiten Himmel verknüpft und zum anderen um eine multisensorische Wechselwirkung zwischen dem Seh- und dem Wärmesinn. Diese Verknüpfungen können dazu führen, dass der Körper weniger stark auf Hitzestress reagiert. In der Gerontopsychologie wird zudem betont, dass kühle Farben eine beruhigende Wirkung auf den Herzschlag haben können, was besonders bei hitzebedingter Unruhe von Vorteil ist. Neuere Laborstudien hinterfragen diese 2-3 Grad, die allein über die Farbe erreicht werden,sollen. Die Kombination mit anderen Sinnesreizen kann diesen Effekt verstärken.