Sich der Hitze ausgeliefert zu fühlen, erzeugt Stress. Kontrolltheorien zeigen, dass die Möglichkeit zur Mitbestimmung das Wohlbefinden steigert.
Wer mitgestaltet, leidet weniger.
In der Umweltpsychologie ist der Faktor Kontrolle ein zentrales Element der Stressbewältigung. Studien belegen, dass Menschen Belastungen wie Hitze oder Lärm deutlich besser ertragen, wenn sie das Gefühl haben, selbst Einfluss auf ihre Umgebung nehmen zu können. Im Kontext von Pflegeheimen ist dies besonders relevant, da Bewohner:innen oft einen Verlust an Autonomie erleben. Wenn Senior:innen jedoch aktiv entscheiden dürfen, ob sie eine blaue Wandfarbe oder einen bestimmten Duft bevorzugen, wandelt sich ihre Rolle vom passiven zum aktiven Mitgestalten ihres Umfelds. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass diese Selbstwirksamkeit die Ausschüttung von Cortisol reduziert und die Schmerztoleranz sowie das allgemeine Wohlbefinden erhöhen kann. Ein bekannter Ansatz ist die Theorie der Umweltpassung, die besagt, dass Wohlbefinden entsteht, wenn die Umgebung den individuellen Bedürfnissen entspricht. Partizipative Prozesse, wie sie im Projekt Cool Down durchgeführt wurden, nutzen genau diesen Effekt.
Die Studienlage bestätigt, dass bereits kleine Wahlmöglichkeiten einen grossen psychologischen Unterschied machen. Es geht dabei vor allem um die mentale Entlastung. Bewohner:innen, die ihre drei Reize selbst kombinierten, berichteten in Befragungen von einer gefühlt niedrigeren Temperatur, selbst wenn die gemessene Temperatur zwei bis drei Grad höher war. Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sind demnach kein Luxus, sondern ein notwendiges Instrument zur Gesundheitsförderung. Die Analyse der Studie unterstreicht, dass die Einbeziehung der Bewohner:innen die Akzeptanz von Massnahmen erhöht.
Flade, A. (2020). Kompendium der Architekturpsychologie. Zur Gestaltung gebauter Umwelten.
Radzey, V. B. (2014). 4. Der Einfluss von Umgebungsfaktoren auf das Wohlbefinden. Dementia Care Mapping (DCM): Evaluation und Anwendung im deutschsprachigen Raum.