circular time lab
Das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur und der Bachelorstudiengang Architektur der Hochschule Luzern starteten in diesem Frühlingssemester das dreijährige Design-Build-Projekt «Circular Time Lab». Dabei entwickeln und erproben Architekturstudierende des 2. Semesters gemeinsam mit Lernenden aus regionalen Holzbaubetrieben Hands-on das kreislauffähige Bauen und machen dies inmitten der Stadt Luzern für die breite Öffentlichkeit erlebbar.
Ziel des gemeinsamen Projekts von Lehre, Forschung und Praxis ist es, den Studierenden und Lernenden über eine anwendungsorientierte Herangehensweise eine Plattform zu bieten, um zirkuläre Praktiken in einem experimentellen Zeitrafferprozess zu testen und den Austausch zwischen den Fachdisziplinen zu fördern.
Im Rahmen des Circular Time Lab werden jeweils im Frühlingssemester mehrere Holzstrukturen inmitten der Stadt Luzern erstellt. Anschliessend werden diese im Herbstsemester vom jeweils nachfolgenden Kurs zurückgebaut und in neuen Konfigurationen im Frühling wieder aufgebaut. Die zirkuläre Logik des ständigen Fügens, Transportierens, Aufbauens, Abbauens und wieder neu Fügens wird in diesem Setup auf die Spitze getrieben und das kreislauffähige Bauen gleichzeitig sichtbar gemacht.
Der Zeitraffer-Charakter ermöglicht es, konstruktive Abläufe prozesshaft – also der Reihe nach – zu verstehen. Alle vorgeschlagenen Strategien werden experimentell aufgebaut und real getestet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fliessen kontinuierlich in den weiteren Prozess ein. Die entworfenen Endprodukte – oder eher Zwischenprodukte – tragen die prozessualen Gedanken räumlich und gestalterisch weiter.
Luzerner Sommer
Durchgeführt wird das Design-Build-Projekt jeweils im Rahmen des Entwurfsmoduls Struktur des Bachelorstudiengangs Architektur. Zusätzlich zur Grundthematik des zirkulären Bauens steht die Aufgabe jeweils im Kontext der konstruktiven Lehre. Der Titel «Luzerner Sommer» war Programm: Es wurden jeweils drei temporäre «sommerliche» Strukturen im urbanen Raum von Luzern errichtet. Alle Bauten entstanden an öffentlichen Orten, waren frei zugänglich und sollten der Stadtbevölkerung einen temporären Mehrwert bieten.
Da die Strukturen zwischen Juni und September standen, waren sie explizit auf eine sommerliche Nutzung ausgerichtet. Das genaue Nutzungsbild durfte sich sowohl von den konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Bauplätze beeinflussen lassen als auch von bauklimatischen Betrachtungen zum künftig zu erwartenden sommerlichen Mikroklima in Luzern: Dabei wurden nicht nur (heisse) Tagesbedingungen berücksichtigt, sondern auch die Potenziale für eine mögliche (tropen-)nächtliche Nutzung untersucht. Die Objekte sollen Vielfalt, Begegnung und ein atmosphärisches Erleben von Holzstrukturen im Stadtraum erzeugen. Ein aussergewöhnlicher «Luzerner Sommer»!

Beitrag über das erste Durchführungsjahr
Es wurden drei Strukturen gebaut: eine auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke und zwei auf dem Inseli, Luzern.

Beitrag über das zweite Durchführungsjahr
Es werden wiederum drei Strukturen gebaut: eine auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke, eine auf dem Inseli und eine im Apothekergarten in Luzern.
Circular Time Lab
Der Abschluss der ersten Durchführung des Projekts ist der Start für die nächste. Um die zirkuläre Logik des ständigen Fügens, Transportierens, Aufbauens, Abbauens und wieder neu Fügens im Zeitrafferprozess real zu testen, starten die Studierenden des kommenden Herbstsemesters mit dem Rückbau der drei Strukturen. Diese werden wieder nach Horw transportiert und systematisch geordnet eingelagert. Bei der nächsten Durchführung kann mit exakt denselben Teilen eine neue Entwurfsreise beginnen. Es gilt also so zu handeln, dass Bauteile und Materialien nicht nur möglichst lange genutzt werden können, sondern auch ein spannendes Nachleben möglich ist.
Forschungsprojekt
In Bereich der Forschung dient das Circular Time Lab als Pilotprojekt, in welchem Grundlagen wie auch neue Konzepte des zirkulären Bauens im kleinen Rahmen praktisch überprüft und weiterentwickelt werden können. Konkret dient das Circular Time Lab so als Reallabor im laufenden internationalen Kooperationsprojekt «BAUHALPS – Building Circular in the Alps», in welchem 13 Partner:innen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und der Schweiz zusammenarbeiten.
Dabei werden in allen beteiligten Ländern innovative Konzepte und Methoden erprobt und zukunftsweisende Lösungen im Bereich des zirkulären Bauens aufgezeigt. Als Ergebnis entsteht ein gemeinsames Toolkit, welches sichtbare und greifbare Impulse setzen soll, um die Kreislaufwirtschaft zu fördern, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken sowie neue Wertschöpfungssysteme aufzubauen.
Dr. Sonja Geier, Stv. Leiterin des Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) zur Einbettung des Projektes in das internationale Kooperationsprojekt «BAUHALPS»
Michiel Fehr von der Dienststelle Landwirtschaft & Wald des Kt. Luzern zur Bedeutung des circular time lab für die Waldwirtschaft
Darüber hinaus können auch Ergebnisse aus anderen Projekten des CCTP aufgegriffen und weiterentwickelt werden, z. B. aus dem Kontext des Forschungsprojektes «circularWOOD», das gemeinsam mit der TU München die aktuelle Situation rund um das zirkuläre Bauen mit Holz vertieft untersuchte. Die enge Verknüpfung mit der Forschung erfordert vom experimentellen Rahmen des Projekts aber auch eine gewisse strukturelle Logik, damit Erkenntnisse wieder korrekt in den Forschungskontext einfliessen können.
Verleihung Label Schweizer Holz
Den Strukturen des Circular Time Lab wurde das Label Schweizer Holz verliehen. Das Label zeichnet Bauten aus, die zu mindestens 60% aus Schweizer Holz bestehen. Die drei Strukturen wurden aus 9.69 m3 Holz gebaut, wovon 8.74m3 gelabeltes Schweizer Holz sind, was 90.2% entspricht. Bei der Verleihung waren Vertreter*innen des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE, der Regierung des Kantons Luzern, des Stadtrats Luzern und der Hochschule anwesend. Alex Bennet, Geschäftsführer der Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz hat das Label überreicht.
Alex Bennet, Geschäftsführer Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz, der das Label Schweizer Holz übergeben durfte.
Silvia Jost, Sektionschefin Mobilität und Internationales des Bundesamt für Raumentwicklung ARE zu den internationalen Aspekten des Projektes
Organisation
Projektleitung
Hochschule Luzern – Technik & Architektur
Institut für Architektur IAR
Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur
Laufzeit: 2025 – 2027
Kontakt
Pascal Wacker
Projektleitung Forschung
Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP)
pascal.wacker@hslu.ch
Wolfgang Rossbauer
Projektleitung Lehre
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur
wolfgang.rossbauer@hslu.ch
Beat Roos / Maurus Winistörfer
Projektkoordination Praxis
schaerholzbau ag
beat.roos@schaerholzbau.ch / maurus.winistörfer@schaerholzbau.ch
Projektbeteiligte
Forschungsteam
Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP:
Pascal Wacker, Sonja Geier
Team Lehre IAR
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur
Modulverantwortlicher: Wolfgang Rossbauer
Lehrteam: Bianca Anna Boeckle, Matthew Howell, Rabea Kalbermatten, Ioannis Piertzovanis, Thomas Summermatter, Norma Tollmann,
Assistierende: Jana Mulle, Achille Patà, Jonas Heller
Materialbibliothek & Materialität@hslu: Susanne Triller
Team Ingenieure
Pius Renggli, Holzprojekt AG
Thomas Kohlhammer, HSLU
Philipp Hess, blesshess AG
Andreas Galmarini, WaltGalmarini AG
Praxisteam
schaerholzbau AG: Beat Roos & Lernende
Tschopp Holzbau AG: Roland Walthert & Lernende
Haupt AG: Thomas Bitzi & Lernende
Dubach Holzbau AG: Christoph Minder & Lernende
erni Holzbau AG: Emil Hüsser & Lernende

Presse
Über das circular time lab wurde in verschiedenen Medien berichtet:
– Artikel im Zebi Magazin, 31.10.2025
– Artikel auf Espazium, 28.10.2025
– Artikel in der Luzerner Zeitung (und weiteren), 8.6.2025
– Blog von Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz, 8.5.2025
– Artikel auf Luzern-Business, 13.6.2025
– Artikel im Newsletter «News&Stories» der Hochschule Luzern, 3.7.2025
– Artikel auf der Webseite immo-invest.ch, 8.7.2025
– Artikel auf der Webseite von schaerholzbau, Juli 2025