circular time lab – 1. Jahr

Das dreijährige Design-Build-Projekt «Circular Time Lab» des Instituts für Architektur vereint Forschung und Lehre. Architekturstudierende des 2. Semesters entwickeln und erproben gemeinsam mit Lernenden aus regionalen Holzbaubetrieben Hands-on das kreislauffähige Bauen und machen dies inmitten der Stadt Luzern für die breite Öffentlichkeit erlebbar. Dieser Beitrag ist ein Rückblick auf die erste Durchführung im Frühlingssemester 2025.

Video über das ganze Projekt «circular time lab»

Luzerner Sommer

Der Titel des Projektes in der Lehre «Luzerner Sommer» war Programm: Es wurden drei temporäre «sommerliche» Strukturen im urbanen Raum von Luzern errichtet: in Emmenbrücke auf dem Viscosi-Areal und auf dem Inseli im Zentrum von Luzern. Alle Bauten standen also an öffentlichen Orten, waren frei zugänglich und boten der Stadtbevölkerung einen temporären Mehrwert.

Da die Strukturen zwischen Juni und September standen, waren sie explizit auf eine sommerliche Nutzung ausgerichtet. Das genaue Nutzungsbild durfte sich sowohl von den konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Bauplätze beeinflussen lassen als auch von bauklimatischen Betrachtungen zum künftig zu erwartenden sommerlichen Mikroklima in Luzern: Dabei wurden nicht nur (heisse) Tagesbedingungen berücksichtigt, sondern auch die Potenziale für eine mögliche (tropen-)nächtliche Nutzung untersucht. Die Objekte sollten Vielfalt, Begegnung und ein atmosphärisches Erleben von Holzstrukturen im Stadtraum erzeugen. Ein aussergewöhnlicher «Luzerner Sommer»!

Verbindung, Struktur, Reallabor

Die erste Durchführung des Circular Time Lab startete am 21. Februar 2025 mit einem gemeinsamen Workshop zum Thema «Holz fügen». In dieser Materialwerkstatt konnten die Studierenden mit Unterstützung durch die Lernenden und Ausbildner aus den Holzbaubetrieben Hands-on unterschiedliche Verbindungstechniken des Holzbaus kennenlernen und selbst ausprobieren.

Diese Auseinandersetzungen mit dem Material und die ersten Gedanken an Verbindungen für das zirkuläre Bauen bildeten die Grundlage für die Vorübung und somit den Start in das Semester.

Während der ersten Wochen experimentierten die Studierenden physisch mit dem Material Holz. Sie arbeiteten im Massstab 1:1 in der Werkstatt und im Atelier. Die Suche nach Raum beginnt mit der realen «funktionsfähigen» Fügung des Materials. Anschliessend folgte dann die Erarbeitung eines strukturellen und räumlichen Entwurfs. Dabei sollten bzw. durften die gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickelt werden. Schritt für Schritt wurde die Komplexität erhöht. Es entstand ein erstes kreislauffähiges, architektonisches Projekt.

Der Modulverantwortliche Dozent Prof. Wolfgang Rossbauer erklärt die drei Phasen des Projektes

Während der letzten Wochen des Semesters folgte dann die Phase 3 – Reallabor, in der die Studierenden wieder gemeinsam mit den Lernenden aus den regionalen Holzbaubetrieben in grossen Gruppen zu je 25-40 Personen zusammenarbeiteten. Gemeinsam galt es innerhalb kürzester Zeit je Gruppe eine (einzige) neue Struktur zu entwickeln, die dann real in der Stadt Luzern ausgeführt wurde.

In der Phase 3 wurden die 1:1-Strukturen in einem ersten Schritt in den Räumlichkeiten des Ateliers Ebenau in Horw vorfabriziert. Nach der Fertigung der Verbindungen und Elementen wurden diese konzentriert in die Stadt Luzern an die jeweiligen Bauplätze transportiert und innert kürzester Zeit aufgebaut. Sowohl vorgefundene Bedingungen im Atelier Ebenau als auch die Rahmenbedingungen des Transports erhöhten die Komplexität und beeinflussten den Entwurf und die Ausführung.

Erklärung der dritten Phase des Projekts für die Architekturstudierenden
Pascal Wacker (Projektleiter Forschung CCTP) erklärt die Arbeitsaufteilung in der dritten Phase

Das finale Aufbauen der Strukturen fand im Zeitraum vom 10.-13. Juni 2025 statt und wurde mit einem kleinen Richtfest abgeschlossen. Die Schlusskritik des Semesters fand am 26. Juni 2025 bei den Reallabor-Konstrukten statt. Dabei wurde die sommerliche Bespielung der Projekte in das Kritikformat eingebaut und die erste Durchführung des Circular Time Lab gemeinsam abgeschlossen.

Struktur Viscosi-Areal Emmenbrücke

Struktur 1 Inseli Luzern «Re:Frame»

Struktur 2 Inseli Luzern «Pilanseli»

Verleihung Label Schweizer Holz

Den drei Strukturen des Circular Time Lab wurde das Label Schweizer Holz verliehen. Das Label zeichnet Bauten aus, die zu mindestens 60% aus Schweizer Holz bestehen. Die drei Strukturen wurden aus 9.69 m3 Holz gebaut, wovon 8.74m3 gelabeltes Schweizer Holz sind, was 90.2% entspricht. Bei der Verleihung waren Vertreter*innen des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE, der Regierung des Kantons Luzern, des Stadtrats Luzern und der Hochschule anwesend. Alex Bennet, Geschäftsführer der Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz hat das Label überreicht.

Circular Time Lab

Der Abschluss der ersten Durchführung des Projekts war der Start für die nächste. Um die zirkuläre Logik des ständigen Fügens, Transportierens, Aufbauens, Abbauens und wieder neu Fügens im Zeitrafferprozess real zu testen, starteten die Studierenden des Herbstsemesters 2025 mit dem Rückbau der drei Strukturen. Diese wurden wieder nach Horw transportiert und systematisch geordnet eingelagert. Im Frühling 2026 begann mit exakt denselben Teilen eine neue Entwurfsreise… Es galt also so zu handeln, dass Bauteile und Materialien nicht nur möglichst lange genutzt werden können, sondern auch ein spannendes Nachleben möglich ist.

Organisation

Projektleitung
Hochschule Luzern – Technik & Architektur
Institut für Architektur IAR

Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur

Kontakt

Pascal Wacker
Projektleitung Forschung
Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP)
pascal.wacker@hslu.ch

Wolfgang Rossbauer
Projektleitung Lehre
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur
wolfgang.rossbauer@hslu.ch

Beat Roos
Projektkoordination Praxis
schaerholzbau ag
beat.roos@schaerholzbau.ch

Projektbeteiligte

Forschungsteam
Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP:
Pascal Wacker, Sonja Geier

Team Lehre IAR
Bachelor in Architektur – Projektmodul Struktur
Modulverantwortlicher: Wolfgang Rossbauer
Lehrteam: Bianca Anna Boeckle, Matthew Howell, Rabea Kalbermatten, Ioannis Piertzovanis, Thomas Summermatter, Norma Tollmann
Assistierende: Jana Mulle, Achille Patà
Materialbibliothek & Materialität@hslu: Susanne Triller

Team Ingenieure
Thomas Kohlhammer, HSLU
Philipp Hess, blesshess AG
Andreas Galmarini, WaltGalmarini AG

Praxisteam
schaerholzbau AG: Beat Roos & Lernende
Tschopp Holzbau AG: Roland Walthert & Lernende
Haupt AG: Thomas Bitzi & Lernende
Dubach Holzbau AG: Christoph Minder & Lernende
erni Holzbau AG: Emil Hüsser & Lernende

Das Circular Time Lab als Schweizer Reallabor des europäischen Alpine Space-Projektes BAUHALPS wird im Rahmen der Neuen Regionalpolitik NRP des Staatssekretariates für Wirtschaft SECO über den Fonds für Regionalentwicklung, sowie der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern (lawa) und durch Eigenmittel der Hochschule Luzern kofinanziert und vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) begleitet.

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