Veredelungsstelle

Während der ersten vier Studienwochen entwarfen und realisierten die Studierenden im Projektmodul STRUKTUR (Bachelor Basic) einen Stuhl im Massstab 1:1. Sie suchten nach einem durchdachten Umgang mit Materialien und deren Verbindung(en) – nach der Veredelungsstelle, welche die Einzelteile zu einem edlen Ganzen vereinen. 

Die Fügungsprinzipien «Verbinden/Spannen», «Giessen/Pressen» und «Schichten/Stapeln» wurden vorgegeben. Um sich auf die Fügung von Materialien zu konzentieren und gleichzeitig die Umweltbelastung sowie Kosten tief zu halten, wurde in der Vorübung hauptsächlich mit Altmaterial gearbeitet.

Paper in motion

Lukas Ehrler und Lewin Bregy aus dem Atelier von Besa Zajmi arbeiteten mit dem Material Papier und dem Fügungsprinzip «schichten und stapeln». Sie schreiben folgendes zu ihrem Konzept:
Beim sitzenden Menschen leitet das Sitzbein Vertikalkräfte direkt auf den Untergrund weiter. Wie in der Architektur bildet der Stuhl ein stabiles Fundament und geht an der Sitzoberfläche auf die Körpereigenschaften des Menschen ein. Durch das Verbiegen, in eine «Tropfform», erreicht Papier den federnden Effekt. Es entstand ein Stuhl mit dynamischer Formsprache. Geschichtetes Papier ergibt die einzelnen «Bauklötze». Diese unterschiedlichen Elemente sind gezielt neben- (schichten) und aufeinander (stapeln) angeordnet. Dank dem Fügungsprinzip des «schnüren» kann der Stuhl zurück bis zum einzelnen Blatt zerlegt werden. Papier und Faden sind sich materiell in ihren Rohstoffen verwandt und haben sich ihr Zusammenspiel beim schweizer Altpapierbündel über Jahre bewährt
und durchgesetzt.

Die beiden Studierenden erstellten auch eine Bauanleitung für ihren Stuhl:

Halbzeug

Die Studierenden Leon Haueter und Vincent Suter aus dem Atelier von Matthew Howell und Nina Cattaneo arbeiteten mit dem Fügungsprinzip Stapeln und Schichten. Sie schreiben über ihre Arbeit:
Aluminium und Kupfer, zwei Metalle, die in der Baubranche noch immer zu den meistverwendeten gehören. Als endliche Ressourcen und recyklierbare Rohstoffe ist denn auch ihr Marktwert hoch. Alleine die im Hocker verbauten 10m Aluminiumkabelkanal und die 420m Kupferkabel sind 150 Franken wert.
Die eingeschnittenen Rohre bilden durch die Stapelung einen Verband, der die statischen Eigenschaften der Rohrgeometrie zum tragen bringt. Die Sitzfläche entsteht durch 1400 Kabelstücke, zu Schlaufen gebogen und dicht in die Rohröffnungen der obersten Rohrreihe eingesteckt. Nach innen und aussen gebogen entsteht durch die isolierten Kupferkabel ein konfortabler Sitz in der Kabelkrone.

Impressionen von der Schlusskritik dieser Vorübung

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