Polaris – ein astronomisches Observatorium in Sainte-Baume
Im Frühlingssemester 2026 arbeiteten die Studierenden im Masterstudio von Felix Wettstein in La Sainte-Baume und der Landschaft des Plan d’Aups in der Provence, wobei sie die Legende von Maria Magdalena und ein nicht realisiertes Projekt von Le Corbusier als Ausgangspunkt nahmen. Die Aufgabe bestand darin, einen dritten Akt zu dieser offenen Erzählung zu verfassen. Der Entwurf von Erin Bousquet sieht ein astronomisches Observatorium auf dem Grat des Massivs vor, direkt über der Höhle, die traditionell mit Maria Magdalena in Verbindung gebracht wird.
Das Massiv von Sainte-Baume zieht seit Jahrhunderten Menschen an. Der Legende nach verbrachte Maria Magdalena hier die letzten dreissig Jahre ihres Lebens und wurde jeden Tag von Engeln zum Beten auf den Gipfel getragen. Das Projekt nimmt diese Geste als Ausgangspunkt: die Vorstellung, dass der Blick in den Himmel auf seine Weise ein heiliger Akt ist.
Ein Tunnel, der in einem Winkel von 45 Grad – berechnet anhand des Breitengrads des Standorts – in den Felsen gebohrt wurde, rahmt den Polarstern in seiner Mitte ein. Ausgehend von dieser Nord-Süd-Achse entfaltet sich das Programm: zwei Kuppelteleskope, Unterkünfte für Gastforscher und feste Wohnräume für ansässige Wissenschaftler. Der nördliche Teil des Bergrückens ist in den urgonischen Kalkstein gehauen, während der südliche Teil aus dem Stein errichtet wurde, der dort abgebaut und ohne weitere Bearbeitung verlegt wurde.