Bachelor-Thesis 2026

Für die Bachelor-Thesis setzten sich die Studierenden 2026 mit Luzerns Grenzen auseinander. Die Arbeit in den drei Quartieren – Rönnimoos, Reusszopf und Stampfeliwald – liess bewusst grosse Freiheiten und ermutigte die Absolvent:innen, eine Aufgabenstellung entsprechend ihrer eigenen Interessen und Kompetenzen zu formulieren. Von sozialen und programmatischen Fragestellungen über ökologische und ökonomische Betrachtungen bis hin zu Interventionen im Objekt- oder Detailmassstab war vieles möglich. Es wurden sechs Ateliers mit unterschiedlichen Themenfeldern und Gästen angeboten. Um die Breite der Untersuchung zu verdeutlichen wird im Folgenden je eine Arbeit aus jedem Studio präsentiert.

Weitere Bachelorthesis-Projekte können in der Online-Ausstellung angeschaut werden.

Eray Süer – Studio Stefan Wülser

Studio Wülser (Stefan Wülser, Anna McIver-Ek)

Wir schreiben allem was schon da ist einen Wert zu und bauen konsequent weiter. In, an oder zwischen bestehenden Strukturen entwerfen wir dicht genutzte Häuser, in denen gewohnt und gearbeitet wird, in denen Reibungsflächen nicht als Problem verstanden, sondern zur Qualität entwickelt werden und wo Diversität, zukünftige Entwicklungen und das Unvorhergesehene Raum finden. Fragen der gesellschaftlichen Durchlässigkeit, der Gleichstellung oder der Suffizienz stehen nicht nur am Anfang der Auseinandersetzung, sondern sollen diese bis ins Detail und bis zum Schluss beeinflussen. Wir verlassen mit unseren Projekten den linearen Entwurfsprozess und suchen eine thematische Dichte zwischen den Betrachtungsebenen. Dazu nutzen wir sehr früh eine Vielzahl von Medien und produzieren kurze Texte, spekulative Bilder und Zeichnungen, die uns als Leitfaden durchs ganze Semester begleiten.

Bachelorthesis Eray Süer

Die Arbeit von Eray Süer untersucht, wie eine Zwischenzone am Luzerner Stadtrand baulich verdichtet und die Interaktion innerhalb der Quartiere gefördert werden kann. Es gilt, die Linearität des Ortes zu brechen und einen porösen Saum zu schaffen – die Zelle bekommt eine durchlässige Membran. Den Schwerpunkt der Untersuchungen bilden die Zwischenräume der drei modernen Wohngebäude im Zusammenhang mit der baulichen Erweiterung unter Einbindung der topografischen Begebenheiten am Hang. Neue Verbindungen sollen sich quer durch die Siedlung legen, wie Kapillaren zwischen den Adern.

Das Projekt will: die bestehenden, starren Räume der modernen Siedlung umgestalten, um die Adaptierbarkeit auf neue Anforderungen zu verbessern, neuen Wohn- und Arbeitsraum schaffen, welcher an bestehende Qualitäten und Strukturen anknüpft und mittels baulicher Eingriffe die topografisch bedingte, schlechte Verbindung der Littauer Quartiere untereinander verbessern und somit die Zugänglichkeit und Interaktion fördern.

Eray Süer präsentiert seine Arbeit mit Auszügen aus der Architekturtheorie

Anina Häfliger – Studio Peter Althaus

Studio Althaus (Peter Althaus, Rina Rolli)

Im räumlichen Gefüge von Städten spiegeln sich Produktionsweisen, Eigentumsverhältnisse und soziale Ordnungen – ebenso wie deren innere Widersprüche. Der Widerspruch bildet daher das zentrale Motiv dieses Studios. Ziel dieses Studios ist es, diese Widersprüche nicht zu glätten oder zu verdrängen, sondern sie zu verstehen, ernst zu nehmen und produktiv zu machen. Architektur und Städtebau werden dabei als kulturelle und politische Praxis verstanden, nicht als neutrale Dienstleistungen. Das Studio verfolgt daher eine theoretisch fundierte, kritischanalytische Entwurfshaltung. Im Fokus stehen keine harmonischen Bilder oder einfachen Lösungen, sondern robuste, mehrdeutige und widerspruchsfähige Projekte.

Bachelorthesis Anina Häfliger

Das Projekt von Anina Häfliger bricht die trennende Linearität der Bernstrasse im Rönnimoos durch eine radikale
Querverbindung auf und verwandelt Zwischenräume in ein städtebauliches Archipel. Die architektonische Setzung folgt einer klaren Hierarchie: Topografie, Weg, Haus. Zwei lange Riegel am Hang zwischen Gütschwald und Zimmeregg funktionieren dabei nicht als isolierte Volumen, sondern als begehbare Wege, die einen dichten Mix aus Wohnen, Gewerbe und Sozialräumen verknüpfen.

Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Bündelung aller Wege auf den Kreuzungspunkt. Die ausbaufähige Zentralität soll das Quartier mit all seinen Widersprüchen nachhaltig aktivieren.

Simon Loosli – Studio Céline Bessire

Studio Bessire (Céline Bessire, Tanja Reimer)

Im Studio beobachten wir zuerst genau und suchen das Spezifische in den Gebieten am Rand. Wir portraitieren gefundene
Einzelsituationen fotografisch, verstehen deren architektonische Prinzipien und übersetzen sie in Wohnideen: aus der Essenz des Ortes entwickeln wir neue konventionsoffene Vorstellungen für das Leben an den Rändern. Ausgehend von der einzelnen Wohnung nähern wir uns der Site und ihren ökonomischen Bedingungen, die mit ihren inhärenten Widersprüchen Platz bietet für unsere paradoxen Wünsche und Sehnsüchte.

Bachelorthesis Simon Loosli

Simon Loosli beschäftigte sich mit dem Siedlungsrand von Ebikon und der Stadt Luzern. In diesem Kontext befindet sich ein Schul- und Ateliergebäude. Vor dem Hintergrund der Transformation des Quartiers untersuchte Simon Loosli in seiner Arbeit ein mögliches Rückbauszenario und entwickelte daraus eine alternative Strategie im Umgang mit dem Bestand. Sein Ziel war es, einen Ansatz zu entwickeln, bei welchem durch das Weiterbauen mit bestehenden Bauteilen und dem Mitdenken vorhandener Nutzungen neue räumliche und soziale Gefüge entstehen können. Dafür hat er die Gebäudeteile katalogisiert und auf ihre Wiederverwendbarkeit geprüft. Mit diesen Teilen hat er an einem neuen Standort ein räumliches Konstrukt entworfen.

Der konsequente Re-Use Gedanke des Entwurfs ist hier nicht bloss technische Ressourcenoptimierung sondern gibt dem Projekt seine Form. Jedes Bauteil wird in Originallänge und möglichst direkt wiederverwendet. Die Arbeit ist ein Versuch, durch die Wiederverwendung bestehender Bauteile, bestehende Nutzungen in einen neuen räumlichen Kontext zu überführen und neue Formen der Koexistenz zu ermöglichen.

Simon Loosli gewann den diesjährigen Architekturpreis der Freunde der Architektur für eine sehr gute Bachelor-Thesis im Studiengang Bachelor Architektur.

Simon Looslis Prozessbuch kann hier heruntergeladen werden.

Simon Loosli erklärt sein Projekt

Carlo Nosetti – Studio Christoph Flury

Studio Flury (Christoph Flury, Barbara Schaub)

Die Haltung des genauen, wiederholten Beobachtens bildet den Ausgangspunkt der Arbeit im Studio Flury. Nicht das Spektakuläre steht im Zentrum, sondern das scheinbar Unveränderte, das Alltägliche, das sich erst über die Zeit als Veränderung zu erkennen gibt. Das Beobachtete wird dabei als Chance verstanden und Architektur als Verändern – als eine Form der Transkription, ein Weiter- und Umschreiben dessen, was bereits da ist. Eingriffe verschieben Bedeutungen, ordnen neu und schreiben Bestehendes um. Im Studio wird untersucht, wie unter den Bedingungen und Möglichkeiten des Siedlungsrands Orte mit Identifikationspotenzial entstehen können. Ebenso werden wirtschaftliche Aspekte und die praktische Umsetzung betrachtet, insbesondere im Hinblick auf Struktur, erhaltenswerte Bauteile, verantwortungsvollen Materialeinsatz und konstruktive Realisierung. Ressourcenschonende Betriebs- und Nutzungskonzepte sind integraler Bestandteil der Überlegungen.

Bachelorthesis Carlo Nosetti

Kern des Projektes von Carlo Nosetti ist die Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts für das Areal Reusszopf, welches Teil des Entwicklungsgebiets Stadtzentrum Luzern Nord ist. Der Fokus der Planung liegt auf Verdichtung mit urbaner Wohn- und Lebensqualität im Zusammenspiel mit öffentlichem und zugänglichem Raum. Mittels gezielter Anknüpfung an den Kontext und klar ausformulierten Schwellen soll sich das Quartier in den sich wandelnden Entwicklungsraum eingliedern.

Gemeinschaft und Nachbarschaft wurden untersucht und steuern die entwerferische Haltung. Dabei spielen die Wegführungen von den Quartiers-Grenzen bis zu den Wohnungen eine wichtige Rolle. Ziel ist ein lebendiger, sozial und funktional durchmischter Ort, der durch das Zusammenspiel von Neubauten, erhaltenem Bestand und Möglichkeit zur Weiterentwicklung geprägt ist.

Die Neubauten sollen sich typologisch und physiognomisch am Bestand orientieren, um die Identität der Stadt-Insel
Reusszopf zu bewahren und zu stärken. Die frei bespielbaren Innen- und Aussenräume in den unteren Geschossen – die für Gewerbe und Ateliernutzungen vorgesehen sind – bilden ein Konglomerat mit den Wohnungen in den oberen Geschossen, die eine grosse Bandbreite von Grössen und Typen aufweisen.

Das Projekt soll einen konkurrenzfähigen Gegenentwurf zu den umliegenden, bis ins Detail entwickelten Gesamtplanungen darstellen und somit den Ort in seiner eigenen Identität weiterentwickeln, wie auch Raum für zukünftige Entwicklungen offen lassen.

Selina Esposito – Studio Lorenza Donati

Studio Donati (Lorenza Donati, Oliver Dubuis)

Orte werden fotografisch dokumentiert, durch Archivrecherchen vertieft und mit externen Referenzen konfrontiert. Vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Werden der Peripherie werden miteinander verwoben und erzeugen beispiellose Geschichten, in denen Akteurinnen, Orte, Infrastruktur, Architekturen, Fiktion, Erinnerungen und Wünsche gleichermassen beteiligt sind. Eine solche Sammlung von Bildern kann über den gesamten Entwurfsprozess hinweg wachsen und dient sowohl als Aufzeichnung des Hier und Jetzt als auch als Projektionsfläche, auf die wir unsere Träume für die Zukunft werfen können.

Bachelorthesis Selina Esposito

Wir befinden uns in der Peripherie der Stadt Luzern. An der Stelle, wo die Kleine Emme und die Reuss zusammenfliessen und die Stadt Luzern auf die Gemeinde Emmen trifft. Einst geprägt von Industrie, dominiert heute die Infrastruktur den Reusszopf und wo einst eine unmittelbare Verbindung zum Reussufer bestand, zerschneidet heute die 2013 neu erstellte Reussbühlstrasse den Ort. Eine Linie, die trennt.

Das Projekt von Selina Esposito aktiviert diese Linie und formuliert daraus einen Raum. Im Zentrum steht die Frage, wie der schmale Raum zwischen Hochhaus und Schallschutzwand neu belebt werden kann. Die Grundlinie der Schallschutzwand spannt gezielt den Raum auf, der unterhalb der Strasse genutzt werden kann und definiert gleichzeitig die Grundfläche eines Neubaus.

Der Neubau sucht die Konfrontation zwischen Verkehr und Wohnraum bewusst. Seine Grundform leitet sich direkt aus der Form der Schallschutzwand ab. Es entstehen Wohnungen, deren Grundrisse unmittelbar aus der Logik der Infrastruktur entwickelt sind. Die Schallschutzwand bleibt auch im Inneren spürbar. Die geringe Gebäudetiefe ermöglicht Wohnungen, welche sowohl zum Innenhof als auch in Richtung Reussufer orientiert sind. Das Projekt sucht gezielt nach gestalterischen Lösungen und hinterfragt die gängige Praxis, Wohnraum konsequent vom Verkehr abzuschirmen.

Livio Ammann – Studio Marianne Meister

Studio Meister (Marianne Meister, Andreas Reinhard)

Das Studio setzt bei einer grundlegenden Beobachtung an, die den zeitgenössischen Umgang mit Architektur und Ressourcen infrage stellt: Die Materialien, mit denen heute gebaut wird, sind zunehmend bereits vorhanden. Sie stammen aus dem bestehenden Gefüge unserer Städte, aus Rückbauprozessen, Umnutzungen und Abrissvorhaben. Dieser Wandel bildet den konzeptionellen Ausgangspunkt der Entwurfsarbeit. Zentral für die Entwurfsstrategie ist das Prinzip des Design for Disassembly. Was wäre, wenn die dauerhafteste Architektur jene wäre, die sich am leichtesten demontieren lässt?

Geleitet vom Prinzip des thinking through making verfolgt das Studio einen experimentellen, handlungsorientierten Ansatz. Modellbau, Materialuntersuchungen und Mock-ups sind zentrale Werkzeuge der Entwurfsarbeit und begleiten den gesamten Semesterverlauf als Mittel zur Erkenntnisgewinnung und räumlichen Präzisierung.

Bachelorthesis Livio Ammann

Der Entwurf von Livio Ammann untersucht das Weiterbauen am Stampfeliwald beim Rotsee, einem Schwellenraum zur Gemeinde Ebikon, der durch die Nähe zum Wald und der topografischen Situation geprägt ist. Ausgangspunkt der Arbeit ist ein zur Verfügung gestellter Bauteilkatalog mit konstruktiven Bauteilen, deren Wiederverwendung die Grundlage des Entwurfs bildet.

Die Untersuchung erfolgt anhand zweier Interventionen im Bestand. Eine Erweiterung stärkt die räumliche Neuorientierung
zum Stampfeliwald und aktiviert durch Nutzungen im Erdgeschoss den Quartierplatz als gemeinschaftlichen Treffpunkt.
Der Schwerpunkt liegt auf der Aufstockung der bestehenden Tankstelle. Als Hochpunkt fungiert sie als städtebaulicher
Anker und bildet zugleich einen Auftakt für das Quartier. Die gegebene Topografie ermöglicht Nutzungen auf
unterschiedlichen Ebenen, die Quartierhalle auf Platzniveau fördert Gemeinschaft und Durchmischung, während die
Tankstelle als identitätsstiftende Nutzung erhalten bleibt.

Durch die Schichtung des Tragwerks, die Ausbildung räumlicher Schwellen innerhalb des Laubenganges sowie die
unterschiedlichen Grundrisstypologien entstehen Räume mit verschiedenen Graden von Offenheit und Dichte. Die Überlagerung von Verkehrszone, Aussenraum und Wohnraumerweiterung innerhalb der Laubenschicht löst die Erschliessung von ihrer reinen Zirkulationsfunktion und ermöglicht Räume für Aufenthalt, Begegnung und Aneignung.
Unterschiedliche Grundrisstypologien schaffen ein vielfältiges Wohnangebot mit flexibel nutzbaren, durchgesteckten
Wohnungen, sowie Maisonettewohnungen in den oberen Geschossen. Die Struktur ist dabei nicht nur als Tragwerk,
sondern als prägendes räumliches und gestalterisches Element erfahrbar. Sie bestimmt die Organisation der Räume und
findet ihren Ausdruck in der Fassadengestaltung.

Modul: Bachelor-Thesis FS26 Lehrteam: Peter Althaus, Céline Bessire, Lorenza Donati, Christoph Flury, Marianne Meister, Stefan Wülser Assistierende: Leopold Strobl, Pascal Hofer

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