Sabine
Sulzer
Werdegang
- Ingenieurstudium in Umwelt- und Kulturtechnik
- Entwicklungsingenieurin & Innovationsmanagerin bei Sulzer Innotec und Sulzer Pumps (11 Jahre)
- Dozentin, Studiengangleiterin und Vizedirektorin bei HSLU T&A (seit 2012)
- Verwaltungsrätin bei Eniwa (seit 2021)
Warum hast du dich für ein Ingenieurinnenstudium entschieden?
Als Jugendliche hat mich das Thema Waldsterben durch sauren Regen tief bewegt – es machte mir Sorgen, mir eine Welt ohne Bäume vorzustellen. Ich wollte aktiv etwas dagegen unternehmen. und suchte nach einem Studium, das mir ermöglicht, Lösungen zu entwickeln statt nur Probleme zu analysieren. So entschied ich mich für ein Ingenieurstudium, um mit technischem Wissen und Kreativität einen Beitrag zur Verbesserung unserer Umwelt zu leisten.
Was gefällt dir am Studium, bzw. an deiner Arbeit?
Ein Ingenieurstudium vermittelt universelle Kompetenzen – fachlich, methodisch und sozial. Besonders schätze ich, wie man im Team ein Problem oder Bedürfnis analysiert, systematisch Lösungsansätze entwickelt, bewertet und die beste Lösung umsetzt. Ich habe mich während des Studiums auf alles rund ums Wasser spezialisiert – Grundwasser, Fliessgewässer, Abwasser. Dieses Wissen über Strömungen konnte ich später als Entwicklungsingenieurin in ganz unterschiedlichen Bereichen anwenden: bei Hochgeschwindigkeitsaufzügen, Plasmadüsen, Mischern oder der Lüftung einer Eishalle. Auch durfte ich eine Rauchgasanlage optimieren, die Schadstoffe aus Abgasen entfernt, welche sauren Regen verursachen. Mich fasziniert, wie breit einsetzbar Ingenieurwissen ist – und wie spannend die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus aller Welt sein kann. Besonders erfüllend ist es, wenn eine entwickelte Lösung tatsächlich umgesetzt wird und die Welt ein kleines Stück besser oder komfortabler macht. Diese Vielfalt – inhaltlich und menschlich – macht meine Arbeit besonders reizvoll. Kein Projekt gleicht dem anderen, und doch greifen immer dieselben grundlegenden Kompetenzen.
Welchen Rat gibst du Frauen, die sich für ein Ingenieurinnenstudium interessieren?
Traut euch! Auch ich brauchte damals den Anstoss meines Mathematiklehrers, um mich für ein Ingenieurstudium zu entscheiden. Man muss keine «Technik-Freakin» sein oder über aussergewöhnliche mathematische Fähigkeiten verfügen – wichtiger ist Neugier und Freude am logischen Denken. Mathe und Physik gehören dazu, aber es steckt viel mehr dahinter: Kommunikation, Teamarbeit, Kreativität. Mein grosses Hobby war und ist das Nähen – ich habe sogar mein Hochzeitskleid selbst entworfen und genäht. Als Kind tanzte ich Ballett. Lasst euch also nicht von alten Rollenbildern einschränken! Der Ingenieurberuf ist spannend, vielseitig, kreativ und kommunikativ. Ich habe meine Entscheidung für dieses Studium nie bereut.