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Projekt - RaumZeitSchichten

RaumZeitSchichten: Ein Haus zum Sprechen bringen

2025 – 2026

Wer im Freilichtmuseum Ballenberg am Adelbodenhaus vorbeigeht, ahnt kaum, welche Geschichte in seinen Wänden steckt. Wenn das Haus sprechen könnte, würde es vom aufkommenden Tourismus in Adelboden erzählen – und davon, wie er sich über die Jahrzehnte gewandelt hat. Wie macht man eine solche, historisch wie gesellschaftlich vielschichtige Geschichte sicht- und erlebbar? Genau dieser Frage geht das Forschungsprojekt «RaumZeitSchichten» der Hochschule Luzern nach. 

Eine Person scannt mit dem Smartphone das Gästebuch für die AR-Anwendung
Das Gästebuch verweist auf die nächste Station.

Die Ausgangsfrage 

Ab den 1920er-Jahren diente das Adelbodenhaus als eines der ersten Massenlager Adelbodens und später als Jugendherberge – eine einfache, erschwingliche Alternative für Gäste, während sich im Dorf zeitgleich ein exklusiverer, mondänerer Tourismus etablierte. Diese Geschichte der sozialen Zweiteilung des frühen Tourismus lässt sich aus dem Gebäude selbst nicht ablesen. «RaumZeitSchichten» erprobt deshalb am konkreten Beispiel dieses Hauses, wie sich mit hybriden, digital-analogen Formaten genau solche verborgenen historischen Schichten freilegen und erfahrbar machen lassen – als Grundlage dafür, das Vorgehen künftig auf weitere Gebäude und Themenschwerpunkte im Freilichtmuseum zu übertragen.

Ein Mann schaut und höhrt sich auf dem Tablet den sprechenden Ofen im Haus an
Im Haus finden die Besuchenden einen sprechenden Ofen.

Eine Spurensuche mit vielen Medien

Herzstück des Projekts ist eine Augmented-Reality-Anwendung, die Besuchende auf eine eigentliche Spurensuche rund um das Haus schickt. Statt eines einzelnen Formats kombiniert die App bewusst mehrere Ebenen: 360°-Panoramen versetzen das Publikum an den Original-Standort des Hauses, KI-animierte Fotografien bringen alte Aufnahmen in Bewegung, animierte Objekte erzählen von einzelnen Details, Soundscapes verankern das Erlebte akustisch am Ort. Ein wichtiger Teil der Vermittlung ist dabei die aktive Teilnahme der Besucher:innen selbst: Wer die Geschichten entdecken will, muss die entsprechenden Fotostandorte rund um das Haus finden– ein spielerisches Element, das aus der Anwendung auch ein Stück Entdeckungstour macht und die sonst unsichtbare Geschichte des Ortes Schritt für Schritt sichtbar werden lässt. Grundlage für die erzählerische Tiefe ist die Dissertation des Kulturanthropologen und Architekten Stefan Kunz, der die Geschichte des Hauses und seiner Bewohnenden über 270 Jahre hinweg im Spannungsfeld von bäuerlicher Tradition und touristischer Moderne aufgearbeitet hat.

Ein mit KI animiertes schwarz/weiss Foto aus der AR-Anwendung, das ein altes Pfadilager in Adelboden zeigt
Ein mit KI animiertes Foto gibt einen Einblick in ein längst vergangenes Pfadilager.

Zusätzlich zum AR-Erlebnis entstand ein Proof-of-Concept für einen sprachgesteuerten KI-Bot, der die Rolle des Hauses selbst einnimmt und sich direkt befragen lässt: zu seiner Baugeschichte, seinen Bewohnerinnen und Bewohnern und den Umbrüchen, die es miterlebt hat. Das Haus hat Charakter und beschwert sich – manchmal etwas starrköpfig – über seinen neuen Standort im Ballenberg. Dann wieder verfällt es in Nostalgie und erzählt von den guten alten Zeiten, dem Schlafen im Stroh und den abendlichen Abenteuergeschichten am Ofenfeuer. Die Besucher:innen lernen so im Gespräch mit dem Haus selbstgesteuert die reichhaltige Geschichte des Hauses kennen.

Reallabor für hybride Wissensvermittlung

Ballenberg fungiert im Projekt als Reallabor: Digitale und analoge Vermittlungselemente werden so kombiniert, dass eine reflektierte Auseinandersetzung mit historischen Entwicklungen möglich wird – und dass Besuchende eigene Perspektiven einbringen können, statt nur zu konsumieren. Im Zentrum steht die Frage, wie sich vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen zueinander in Beziehung setzen lassen, um gesellschaftliche Megatrends im physischen, symbolischen und gelebten Raum sichtbar zu machen. An einem einzelnen Gebäude lässt sich so beispielhaft zeigen, wie sich Dynamiken über Jahrhunderte entfalten – und welche Zukunftsfragen sich daraus ergeben.

Eine Frau mit Kopfhörer blickt auf ein Smartphone, das in der AR-Anwendung den alten Restaurantanbau des Hauses zeigt
Der alte Restaurantanbau wird durch die AR-Anwendung wieder sichtbar.

Erste Bilanz und Ausblick

Die bisherigen Rückmeldungen aus der Evaluation sind sehr positiv, und das Feedback der Besuchenden fliesst laufend in die Weiterentwicklung ein – wer das Haus besucht, trägt so aktiv zum Forschungsprojekt bei. Gemeinsam mit dem Freilichtmuseum wird die Anwendung deshalb kontinuierlich weiterentwickelt und ist bereits in der Saison 2026 als fixer Bestandteil im Rahmenprogramm von Ballenberg verankert.

Damit ist «RaumZeitSchichten» mehr als ein einzelnes Ausstellungsprojekt: Es zeigt, wie sich mit Mixed Reality auch die leisen, unscheinbaren Geschichten eines Ortes zugänglich machen lassen – und legt die Grundlage dafür, dass weitere Gebäude im Freilichtmuseum und andere Kultur- und Bildungsinstitutionen von den entwickelten hybriden Vermittlungsformaten profitieren können. 

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