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Projekt - Kartoni Park Glarus

Kartoni Park Glarus: Partizipation mittels Augmented Reality 

2022

Wie stellt man sich einen Park vor, der noch gar nicht existiert? Für die meisten Menschen bleibt das eine abstrakte Übung – ein Grundproblem, an dem viele Partizipationsprozesse in der Raumplanung scheitern. Am Beispiel des Kartoni Parks in Glarus hat das Team von Extended Spaces erprobt, wie sich diese Lücke mit Augmented Reality schliessen lässt: Aus Ideen der Bevölkerung wurde Schritt für Schritt ein Ort, den man schon vor dem ersten Spatenstich begehen und erleben konnte. 

Screenshot einer AR-Anwendung: Visualisierte Überbauungsvariante im Kartoni-Park Glarus direkt vor Ort auf der Rasenfläche
Screenshot aus der AR-Anwendung.

Die Ausgangsfrage 

Im ehemaligen Industrieareal Kartoni in Glarus entsteht ein neues Wohn- und Kulturquartier. Am östlichen Rand, dort wo zum Projektzeitpunkt noch eine leere Wiese und ein Schrebergarten liegt, soll ein gemeinschaftlicher Park entstehen – als eines der wichtigen neuen Begegnungsorte des Quartiers. Für dessen Gestaltung wurden die Anwohnerinnen und Anwohner eingeladen, aktiv mitzuwirken. Die zentrale Forschungsfrage des Projekts: Wie lässt sich ein solcher partizipativer Prozess sinnvoll mit den Möglichkeiten von Augmented Reality erweitern – und wie verhindert man, dass Beteiligung an der Unschärfe blosser Pläne und Skizzen scheitert? 

Von der Papierskizze zur begehbaren Vision 

Der Prozess verlief mehrstuftig. Im Mai 2022 luden die Gemeinde Glarus und die Kartoni Quartier AG die Bevölkerung zum «Kartoni-Zmittag» ein. Rund 50 Interessierte brachten in rotierenden Workshop-Gruppen ihre Bedürfnisse und Ideen zu Themen wie Kultur, Nutzung oder Erholung zu Papier – die Forschungsgruppe war dabei direkt vor Ort in die Workshops eingebunden. Aus diesen Inputs verdichtete das Team in Absprache mit den Projektverantwortlichen vier eigenständige Park-Visionen: ein Kräutergarten, ein Mehrgenerationen-Spielplatz, ein Erlebnis-Park mit Streichelzoo und eine Natur-Oase. 

In einer zweiten Phase machte das Forschungsteam diese noch abstrakten Ideen sichtbar: Die vier Visionen wurden räumlich und visuell ausgearbeitet und in einer bewusst skizzenhaften Bildsprache umgesetzt – reduziert genug, um nicht von der eigentlichen Frage abzulenken, welche Park-Form und -Nutzung die Bevölkerung bevorzugt, und gleichzeitig immersiv genug, um wirklich einzutauchen. An einem Folgeworkshop konnten über 30 Teilnehmende die vier Visionen direkt am eigentlichen Standort erleben: Mit Tablets liessen sich die Parkideen aus verschiedenen Perspektiven entdecken, vergleichen und in der Gruppe diskutieren. Im Anschluss an die AR-Rundgänge wurde im Plenum anhand von Postern weiteres Feedback eingeholt und bewertet. 

Eine gemischte Gruppe an Personen steht vor Plakaten zu den vier Varianten und verteilt Punktsticker auf den Plakaten
Workshopteilnehmer:innen bewerten die vier Varianten.

Was der Prozess zeigt 

Der zweistufige Workshop-Prozess bestätigte, wie viel Potenzial in der Verbindung von analogen und digitalen Partizipationsmethoden steckt: Die räumlichen und interaktiven Möglichkeiten von AR ermöglichten einen informierten, angeregten Dialog direkt vor Ort und in der Gruppe – zwischen Bevölkerung, Gemeinde und Planungsverantwortlichen gleichermassen. Statt technischer Pläne oder abstrakter Beschreibungen konnten die Beteiligten ihre eigenen, zuvor eingebrachten Ideen leibhaftig im Raum erleben und direkt dazu Stellung nehmen. 

Die Ergebnisse bildeten für die Gemeinde Glarus und die Kartoni Quartier AG die Grundlage für die weitere Planung des Parks. Für das Forschungsteam war das Projekt zugleich ein Baustein in einer grösseren Fragestellung: wie sich das sogenannte Beteiligungsparadoxon der Raumplanung auflösen lässt, bei dem die Bevölkerung ausgerechnet in der Phase des grössten Mitspracherechts am wenigsten greifbare Informationen zur Verfügung hat. Die im Kartoni Park gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Weiterentwicklung partizipativer AR-Formate ein, die das Team seither mit weiteren Gemeinden und Planungsbüros erprobt. 

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