2022 – 2025
Abstrakte Baupläne oder Dezibel-Werte in einem Bericht sagen den wenigsten Menschen etwas – wer sich nicht vorstellen kann, wie ein Projekt tatsächlich wirkt, kann auch nur schwer fundiert mitreden. Genau hier setzt «Augmented Planning» an: Zwischen 2022 und 2025 erforschte das Team von Extended Spaces, wie sich reale Planungsvarianten mit AR- und MR-Technologien so erfahrbar machen lassen, dass Fachpersonen, Politik und Bevölkerung auf Augenhöhe diskutieren können. Entstanden ist dabei kein einzelnes Tool, sondern ein modulares Set an Zugängen – erprobt unter anderem an der Waldstätterstrasse in Luzern und an der Autobahn A2 in Kriens.


Die Ausgangsfrage
Planungsprozesse leben von Beteiligung – doch abstrakte Baupläne oder Dezibel-Werte in einem Bericht sagen den wenigsten Menschen etwas. Wer sich nicht vorstellen kann, wie ein Projekt tatsächlich wirkt, kann auch nur schwer fundiert mitreden. Genau hier setzte «Augmented Planning» an: Zwischen 2022 und 2025 erforschte das Team von Extended Spaces, wie sich reale Planungsvarianten mit AR- und MR-Technologien so erfahrbar machen lassen, dass Fachpersonen, Politik und Bevölkerung auf Augenhöhe diskutieren können. Statt eines einzelnen Tools entstand ein modulares Set an Zugängen – von tabletbasierter Mobile AR bis zu kollaborativen Mixed-Reality-Anwendungen mit Headsets.
Zwei Fallbeispiele stehen dabei exemplarisch für die Bandbreite des Projekts.

Fallbeispiel: Waldstätterstrasse – Mixed Reality und Immersive View
An der Luzerner Waldstätterstrasse ging es um die Frage, wie sich unterschiedliche Gestaltungsvarianten einer Freiraumgestaltung so vermitteln lassen, dass auch Laien sie beurteilen können. Das Projektteam entwickelte dafür mehrere parallele Zugänge und verglich sie direkt im Feld: eine mobile AR-Simulation, die über das eigene Smartphone aufrufbar ist und der interessierten Bevölkerung erlaubt, spielerisch verschiedene Varianten zu testen und ihre Einschätzung in einer Umfrage zurückzumelden; ein Mixed-Reality-Format mit Headsets, in dem mehrere Personen gleichzeitig im selben virtuellen Modell stehen, Varianten vergleichen und darüber verhandeln können; sowie den «Immersive View», eine niederschwellige, webbasierte 360°-Ansicht, die ohne spezielle Hardware auskommt und sich dadurch für breite, öffentliche Formate eignet.
Der direkte Methodenvergleich an einem konkreten Ort lieferte wertvolle Erkenntnisse: Während frühe WebAR-Ansätze an der Geräteheterogenität und Stabilität im öffentlichen Raum an Grenzen stiessen, erwies sich der Immersive View als robuste, breit einsetzbare Lösung – ergänzt durch Mixed Reality dort, wo es um vertiefte, kollaborative Auseinandersetzung geht. Die Stadt Luzern nutzt die gewonnenen Erkenntnisse im Folgeprojekt zur Neugestaltung der Tribschenstrasse weiter.
Fallbeispiel: Auralisation – dem Klang der A2 in Kriens auf der Spur
In Kriens führt die A2 auf rund einem Kilometer offen durch die Gemeinde – eine akustisch stark belastete Schneise, für die eine Teilüberdachung diskutiert wird. Doch wie erklärt man einer breiten Öffentlichkeit, was eine Lärmschutzmassnahme akustisch tatsächlich bewirkt? Dezibel-Angaben allein schaffen selten ein greifbares Bild.
Gemeinsam mit dem Akustikbüro SINUS AG entwickelte das Projektteam deshalb eine Mixed-Reality-Auralisation: Mit Kopfhörern und Quest 3 Headset ausgestattet, lässt sich direkt vor Ort erleben, wie sich die Geräuschkulisse zwischen dem heutigen Zustand und verschiedenen Überdachungsvarianten verändert. Die Sensoren des Headsets sorgen dafür dass sich der Klang mit der eigenen Bewegung und Blickrichtung mitverändert. Der Kanton Luzern testete den Prototyp vor Ort und sieht darin ein Hilfsmittel, um komplexe Infrastrukturprojekte in kurzer Zeit erlebbar zu machen und eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen.
Die MR-Auralisation macht eine Dimension der Raumplanung erfahrbar, die visuelle Werkzeuge allein nicht abdecken – und schliesst eine Lücke zwischen gesetzlichen Lärmgrenzwerten und der tatsächlich erlebten Klangqualität.

Forschungsansatz: iterativ, praxisnah, modular
«Augmented Planning» verstand sich explizit nicht als Entwicklung eines einzelnen fertigen Produkts, sondern als systematische, iterative Erprobung: Priorisierungen und Anforderungen wurden in enger Zusammenarbeit mit den Praxispartnern pro Fallbeispiel abgestimmt, statt einem starren Kriterienraster zu folgen. Über die verschiedenen Fallbeispiele Neuenhof hinweg entstand so ein modulares Methodenset, das sich – je nach Zielgruppe, Planungsphase und Fragestellung – flexibel kombinieren lässt. Die Ergebnisse fliessen in eine wissenschaftliche Publikation zur Echtzeit-Auralisation urbaner Klanglandschaften sowie in einen methodischen Leitfaden für die Planungspraxis ein.

Wirkung über das Projekt hinaus
Für die beteiligten Praxispartner hat sich die investierte Entwicklungsarbeit gelohnt: Die Stadt Luzern und Planteam S AG setzen den Immersive View in Folgeaufträgen wie der Tribschenstrasse weiter ein, SINUS AG baut die MR-Auralisation gemeinsam mit dem Team von Extended Spaces zu einem eigenständigen Angebotsfeld aus. Damit liefert «Augmented Planning» nicht nur Prototypen, sondern eine praxiserprobte Grundlage dafür, wie Raumplanung in Zukunft verständlicher, dialogorientierter und multisensorisch gestaltet werden kann.
Projektpartner:innen



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